Missbrauchsfälle: Uniklinik berichtet über Zwischenstand im Aufklärungsprozess

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Der Aufklärungsprozess hinsichtlich der Missbrauchsverdachtsfälle im Bereich der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Zeit bis 2014 am Universitätsklinikum des Saarlandes UKS wird weiter vorangetrieben. In einer Sondersitzung wurde der Aufsichtsrat u.a. über den Zwischenstand und weitere Maßnahmen informiert.

 

Kontinuierlicher Austausch mit 31 Personen bzw. Familien

Das UKS hatte in der vorletzten Juni-Woche die 34 Betroffenen bzw. deren Erziehungsberechtigte, in deren Fällen von der Staatsanwaltschaft in der Vergangenheit bereits ermittelt wurde, angeschrieben und informiert. Darüber hinaus wurden aktuell sämtliche ehemaligen Patienten schriftlich informiert, die 2010 bis 2014 vom Beschuldigten in der Ausscheidungsambulanz der Klinik am UKS behandelt wurden. Mit rund 300 Fällen ist dieser Kreis bewusst umfangreich gehalten. Auch die Medienberichterstattung führte zu An- und Rückfragen. Bei einigen Betroffenen bzw. Familien gab es zwar einen Erstkontakt, aber keinen weiteren Austausch mehr. Insgesamt hat sich bisher der kontinuierliche Austausch mit 31 Personen bzw. Familien ergeben.

Die Wege der Kontaktaufnahme sind unterschiedlich, sowohl das Gesprächsangebot des UKS als auch die weiteren Optionen wie beispielsweise die Beratungsangebote des Weißen Rings werden genutzt. Am UKS wurden bislang sieben persönliche Gespräche mit Akteneinsicht geführt, zehn weitere Termine mit Betroffenen sind vereinbart.

Wie berichtet, hatte sich im Rahmen der Aufklärungsarbeit und als Ergebnis der Beratungsangebote ergeben, dass der Betrachtungszeitraum ausgeweitet wird. Die Universität des Saarlandes hat die Studienzeit des Beschuldigten geprüft. Er begann 2003 ein Studium der Humanmedizin in Homburg, wobei der Fokus der Betrachtung auf dem klinischen Abschnitt seines Studiums ab Ende 2005 liegt. Neben kurzen Praxisphasen (Famulaturen, Praktika) und einer Tätigkeit als studentische Hilfskraft auf dem Homburger Campus, wird vor allem das Praktische Jahr genauer beleuchtet, welches der Beschuldigte an anderen Einrichtungen absolviert hat. Diese Einrichtungen wurden informiert.

Die bereits seit der Pressekonferenz am 24. Juni vorgestellten Hilfsangebote bestehen selbstverständlich weiterhin. Sie können von allen Menschen genutzt werden, die sich in gegebenem Zusammenhang informieren möchten und/oder unterschiedliche Beratung und Unterstützung benötigen. Eine Auflistung ist wieder am Ende dieser Mitteilung zu finden.

Falls es sich im Dialog mit Betroffenen als sinnvoll und gewünscht erweist, kann das therapeutische Angebot um eine Selbsthilfegruppe erweitert werden. Die involvierten Hilfs- und Beratungsstellen werden in diese Fragestellung mit einbezogen.

 

Weitere Maßnahmen: Kinderschutz am UKS ausbauen

Neben den wichtigen Informations- und Hilfsangeboten sowie der Aufklärungsarbeit ist es vor allem zentral, den Kinderschutz am UKS weiter auszubauen. Dazu wurde eine mehrköpfige Taskforce Kinderschutz am UKS eingerichtet. In der Gruppe kommen unter anderem Mediziner unterschiedlicher Fachrichtungen des UKS zusammen, in deren Bereich Kinder versorgt werden. Die Taskforce kann durch unterschiedliche Experten beraten werden. Gespräche zur Verpflichtung eines externen Gutachters, der hierbei unterstützen kann und parallel zur Aufarbeitung beiträgt, laufen aktuell. Die Taskforce hat sich zum Ziel gesetzt, bis Anfang August ein neues Kinderschutzkonzept für das UKS zu entwickeln. Die Umsetzung ist unmittelbar anschließend und innerhalb weniger Wochen geplant. Teil der Zielsetzung ist es, dieses Konzept dynamisch zu halten, um es regelmäßig neu bewerten und weiterentwickeln zu können.

In der gestrigen Sondersitzung des UKS-Aufsichtsrates wurde im Besonderen festgehalten, dass eine weitere Aufarbeitung der Sachverhalte vom UKS betrieben und der Aufsichtsrat umfassend informiert wird. Daneben legt das Gremium einen Fokus auf die Umsetzung weiterer Maßnahmen zum Kinderschutz und zur Optimierung des Informationsaustausches zwischen UKS und den Schnittstellen der Aufsichtsbehörden.

 

Hinweis aus gegebenem Anlass

Das UKS weist im Zusammenhang mit der laufenden Berichterstattung zudem darauf hin, dass zwischen dem Beschuldigten und anderen Mitarbeitern des UKS gleichen Nachnamens keinerlei Verwandtschaftsverhältnis besteht. Bei über 5.500 Mitarbeitern kann sich eine solche Namensgleichheit ohne weiteres ergeben.

 

Hilfsangebote 

1. Hotline: Opfertelefon des Weißen Rings: 116 006

(kostenfrei, anonym, 7 Tage die Woche von 7 bis 22 Uhr erreichbar)

 

2. Schnellintervention Trauma-Ambulanzen

SHG-Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie

Waldstraße 40, 66271 Kleinblittersdorf

Tel.: 0 68 05 – 9 28 – 20

 

Median Klinik Münchwies

Turmstr. 50-58, 66540 Neunkirchen

Tel.: 0 68 58 – 6 91 – 20 9

 

Median Klinik Berus

Orannastr. 55, 66802 Überherrn-Berus

Tel.: 0 68 36 – 3 95 55

 

3. Anwaltliche Beratung

Der Weiße Ring kann Beratungsschecks ausstellen, falls eine Erst – Beratung durch eine unabhängige Rechtsanwältin bzw. einen unabhängigen Rechtsanwalt gewünscht wird.

 

4. Gespräch mit Verantwortlichen des UKS

Die Betroffenen haben die Möglichkeit, mit Verantwortlichen des UKS zu sprechen. Ansprechpartner ist hier das Sekretariat des ärztlichen Direktors (Tel.: 0 68 41 – 16 – 2 40 13) welches die Termine koordinieren wird. Hierbei besteht auch die Möglichkeit Einsicht in die eigene Patientenakte zu nehmen.

 

5. “Nele” Verein gegen sexuelle Ausbeutung von Mädchen e.V.
Dudweilerstraße 80
66111 Saarbrücken
Internet:www.nele-saarland.de
E-Mail: nele-sb@t-online.de
Tel.: 06 81 – 3 20 58 oder 06 81 – 3 20 43

 

6. „Phoenix“ Beratungsstelle der AWO gegen sexuelle Ausbeutung von Jungen

Dudweilerstr. 80

66111 Saarbrücken

Tel.: 06 81 – 7 61 96 85

 

7. Deutscher Kinderschutzbund – Landesverband Saarland e.V. – 

Im Allmet 22 , 66130 Saarbrücken

E-Mail: lossen@kinderschutzbund-saarland.de

Tel.: 06 81 – 87 28 10

 

8. Beratungszentrum Kinderschutz 

Karcherstraße 13

66111  Saarbrücken

Tel.: 06 81 – 9 36 52 – 75

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