Forscher fordern Nachbesserungen beim Entwurf des Glücksspielstaatsvertrags

Bereits im Januar haben sich die Vertreter der Bundesländer auf einen Entwurf eines Glücksspielstaatsvertrags geeinigt, der voraussichtlich Mitte nächsten Jahres in Kraft treten soll. Dieser stellt eine gemeinsame Glücksspiel-Behörde der Länder in Aussicht. Damit dieser Vertrag nicht zu einem zahnlosen Tiger wird, haben Glücksspielforscher und -forscherinnen der Universität Hohenheim in Stuttgart in einem Positionspapier nun vier Forderungen an den Bund und die Länder formuliert.

Die Einrichtung einer zentralen Glücksspielbehörde fordert die wissenschaftliche Glücksspiel-Forschung bereits seit längerem. Professor Doktor Tilman Becker sagt hierzu: “Das eröffnet Möglichkeiten, effektiver gegen illegale Anbieter im Internet vorzugehen.”

Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es jedoch einiger Nachbesserungen. „Wir haben daher vier Forderungen zusammengestellt, die notwendig sind, um den Vollzug in der Praxis zu stärken“, so Becker weiter.

Die Forscher der Universität Hohenheim fordern beispielsweise, dass die geplante Glücksspielbehörde die Befugnis haben müsse, Rechtsverordnungen zu erlassen um rasch reagieren zu können. Die Notwendigkeit dieser Maßnahme sieht Prof. Dr. Becker aufgrund des rasanten technischen Wandels. “Es gibt immer neue Formen des Glücksspiels mit neuen technischen Entwicklungen”, so Becker. “Weitere Entwicklungen sind jetzt noch gar nicht vorhersehbar.”

Da illegale Online-Anbieter von Glücksspiel oft eine andere Steuerlast zu tragen haben als legale Lotterieanbieter, fordern die Forscher ein Ende der Ungleichbehandlung und verlangen eine Änderung des Rennwett- und Lotteriegesetzes. Während beispielsweise Spielbanken durch Umsatzsteuer und Spielbankabgabe mit 52 Prozent belastet werden, zahlen illegale Anbieter oft nur die Umsatzsteuer auf den Bruttospielertrag.   

Das Angebot illegaler Glücksspiele ist zwar nach dem Strafgesetzbuch strafbar, jedoch betrifft dies nicht Online-Angebote von ausländischen Glücksspielanbietern. “Der entsprechende Paragraph entstand zu einer Zeit, zu der das unerlaubte Anbieten von Glücksspielen über das Internet noch keine große Bedeutung hatte”, erklärt Professor Becker. Darum fordern die Forscher eine Änderung des Strafgesetzbuches.  

Die letzte Forderung sieht die einzelnen Länder in der Pflicht: Die Forschung im Bereich Glücksspiel soll mehr gefördert werden um Suchtgefahren zu vermeiden und abzuwehren.  Professor Becker betont jedoch, dass nicht nur der Bereich Suchtprävention, sondern auch Betrugs-, Manipulations- und Kriminalitätsprävention im Fokus stehen müssen. “Eine sinnvolle Regulierung sollte auf wissenschaftlicher Basis konzipiert werden und laufend wissenschaftlich evaluiert werden”, empfiehlt Prof. Dr. Becker.  

Letzteres hat sich für die Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim erfüllt: Sowohl das Land Baden-Würtemberg als auch die Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg haben finanzielle Unterstützung für die Forscher zugesagt. “Die Arbeit der Forschungsstelle kann damit dauerhaft ausgebaut werden”, so Ulrich Steinbach, Amtschef des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. “Damit geht Baden-Württemberg bundesweit mit gutem Beispiel voran.” Mit diesen Mitteln kann nun eine Doktorandenstelle in der Forschungsstelle finanziert werden.

Please follow and like us:
error

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*